#1 Kapitel 3: Franklin O'Kor (Entwurf) von Töm 28.04.2018 06:45

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Cecile schlug die Augen auf. Sie lag. Ihre Arme pochten. Allerdings nicht vor Schmerz, es war viel mehr ein warmes, angenehmes Spüren ihrer Arme. Nach einiger Zeit fokussierte sich ihre Sicht und vorsichtig verschaffte sie sich einen Überblick. Sie lag auf einer einfachen Pritsche in einem spärlich eingerichteten Raum. Es schien sich um eine Art kleines Geschäft zu handeln, denn mehr Pritschen dieser Art standen im Raum verteilt herum. Neben ihnen jeweils ein Regal mit einigen Gerätschaften. Cecile brauchte eine Weile, um zu erkennen, dass es sich dabei um das Handwerkszeug zum Tätowieren handelte. Dies verwirrte sie ein wenig, schließlich war ihre letzte Erinnerung, wie sie mit Schlägen bearbeitet wurde. Und nun war sie hier. In einem Geschäft für Tätowierungen . Reflexartig glitten ihre Hände zu ihren Beinen, an denen sonst immer die Dolche in hohen Stiefeln verborgen waren, doch sie spürte nur nackte Haut. "Keine Angst, du bist hier in Sicherheit", verließ sich eine samtig weiche, fast schon esoterisch oder fanatisch wirkende Stimme vernehmen. Cecile wäre fast von der Liege gefallen, als die Stimme hinter ihr ertönte. Sie drehte den Kopf und blickte in das Gesicht eines Drachens. Sie stockte, blinzelte schnell einige Male hintereinander und glaubte schon fast, eine starke Gehirnerschütterung davongetragen zu haben. Doch kurz darauf konnte sie das Bild, dass sich ihr bot, richtig interpretieren. Vor ihr stand ein schlaksiger Mann, über und über mit Tätowierungen bedeckt. In sein Gesicht hatte er strategisch günstig Drachenschuppen, sowie entsprechende andere Details platziert, so dass es aussah, als würde man in das Gesicht eines Drachens schauen. Der Mann trug ein Tanktop und dazu eine Bermudahose. An seinen Armen wie Beinen prangte eine Vielzahl Cecile unbekannter Symbole und Schriftzeichen. Trotz der seltsamen Ausstrahlung besaß der Mann ein freundliches Lächeln und etwas, dass Cecile an Gregory erinnerte. Sofort war er ihr sympathisch.
"Wie geht es dir?"
"Gut, aber wo bin ich hier? Und wer bist du überhaupt?"
"Oh verzeih, wo sind meine Manieren geblieben. Franklin O'Kor. Für meine Freunde aber einfach nur Frank. Und das hier" , mit einer weit ausholenden Geste, welche den gesamten Raum umfasste, sagte er stolz, "ist mein Geschäft."
"Also Frank", setzte Cecile an, doch sie wurde von Franklin unterbrochen.
"Nur für Freunde sagte ich."
Leicht pikiert setzte Cecile zu einer Antwort an, doch Franklin brach in Gelächter aus. "Nur ein kleiner Scherz, verzeih", prustete er.
Cecile verdrehte die Augen. ´Jetzt weiß ich, warum er mich an Gregory erinnert´, dachte sie bei sich. Cecile setzte erneut an: "Also Frank, wie bin ich überhaupt hier hingekommen?" "Greg hat dich hier blutüberstromt abgegeben und meinte, ich bekäme ein gewaltiges Problem, wenn ich es nicht schaffen würde, dich zusammenzuflicken." "Wo ist er jetzt?" "Keine Ahnung, er meinte, er müsse noch etwas erledigen. Eine Aufgabe oder ein Auftrag oder so etwas in der Art." Vielleicht einen Deal erfüllen?", hakte Cecile besorgt nach. "Ja genau!" Cecile fluchte. "Ich muss los." Sie war kurz davor loszustürmen, doch Franklin hielt sie zurück. "Wie wäre es mit ein bisschen mehr Kleidung?", fragte er verschmitzt. Erst jetzt bemerkte Cecile, dass sie nur ihr leichtes Kleid trug, welches zudem noch voller getrocknetem Blut war. Franklin reichte ihr ihre Stiefel und neue Kleidung. "Danke", murmelte Cecile und verschwand in den hinteren Teil des Ladens, offensichtlich Franklins Wohnung, um sich umzuziehen.
Franklin säuberte gerade das restliche Blut von Ceciles Liege, als das Glöckchen an der Tür bimmelte. "Geschlossen", rief Franklin, doch er bekam keine Antwort. Langsam drehte er sich um und erblickte zwei Männer in schwarzen Trenchcoat und einer Melone auf dem Kopf. "Wir suchen eine Frau", sagte der eine Mann. "Der Puff ist eine Straßenecke weiter", witzelte Franklin, währenddessen er seine Arme verschränkte. "Ist sie hier?", fragte derselbe Mann mit Nachdruck, während er eine Maschinenpistole aus der Tasche seines Trenchcoats zog, "Wir wollen keinen Ärger." "Zu spät", erwiderte Franklin und tippte auf einige Symbole, welche als Tattoos seine Unterarme zierten. Franklins Arme begannen blau zu leuchten und er knurrte: "An eurer Stelle hätte ich das geschlossen Schild an der Tür beachtet." Nun zog auch der andere Mann eine Maschinenpistole heraus und beide entsicherten ihre Waffen. Gerade, als Franklin auf die Beiden losgehen wollte, sprang plötzlich Cecile vor ihn. "Paul, Jacob, nicht!", rief sie den beiden Männern zu. "Geh aus den Weg, Cecile", knurrte der als Paul angesprochene. "Wir sind auf den gleichen Seiten", probierte Cecile die Situation zu entspannen. "Er ist ein Magiebegabter, davon infiltrieren schon genug unsere Reihen!", wetterte der zweite Mann, Jacob, los. "Runenmagier", ließ sich Franklin vernehmen, während er misstrauisch die Männer und Cecile musterte. "Wie bitte?", fragte Paul. "Runenmagier", begann Franklin zu erklären, "Kein direkt Magiebegabter. Ich bin sozusagen ein indirekter Nachfahre und mithilfe von Symbolen kann ich einige magische Effekte erzeugen. Die Stammesjäger bezeichnen unsereins als Sourcerer. Wir haben im Krieg Seite an Seite gekämpft." "Stimmt das?", fragte Jacob zweifelnd. "Ich vetraue ihm", bekräftigte Cecile. Paul und Jacob ließen ihre Waffen sinken. "Ist einer am Zielort, um Gregory den Stämmigen abzunehmen?", fragte Cecile die Beiden plötzlich. "Nicht das ich wüsste", antwortete Paul, "Wir wollten zuerst dich finden." "Das habt ihr hiermit geschafft, Beeilung!", befahl Cecile mit einer gewissen Unruhe in der Stimme. Nachdenklich sah Franklin die drei abziehen und deaktivierte seine Runen. Er fragte sich, warum Gregory Cecile zu ihm gebracht hatte und was er mit der Mafia zu schaffen hatte. Etwas Gutes konnte doch keineswegs daraus entstehen.

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